ELEKTRA PROJEKT 2007-2011

Elektrizität leitet ihren Namen von elektron her, dem griechischen Wort für den Bernstein, aus dem der helle Funke entspringt. Im Begriff steckt indogerm. el oder hel, was auch in unserem Wort „hell“ oder „Helligkeit“ vorkommt. Die tiefe Doppeldeutigkeit und begriffliche Ambivalenz von „hell“ wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass aus demselben Wort, aus derselben Silbe das Helle und die Hölle kommen, engl. hell. Die goldene Statue der Elektra ist selbst „blendend“, „glänzend“.

Nach dem Hellen benannt sind zwei Frauengestalten, die in Hinblick auf die weibliche Codierung von Elektrizität interessant sind: einmal die schöne Helena und zum zweiten Elektra, die begabte Hysterikerin, die selbst Spannungsbogen, wenn nicht Überspannungsbogen ist. Mein „Institut für Elektra-Technik“ bezieht sich nun auf Elektra, weil deren linguistische und symbolische Zugehörigkeit zum Elektrischen ganz unmittelbar einsichtig und nachvollziehbar ist. Elektra steht selbst für das subjektlose „Gefühl der Natur“, als welches Schelling Elektrizität definiert hatte. Der politische Entzug an Subjektivität bei gleichzeitiger Überhäufung mit „Gefühl“ des Weiblichen könnte also auf dem Hintergrund des Kurzschlusses zwischen Elektra und Elektrizität, den das „Institut für Elektra-Technik“ vorführt, einen neuen Sinn erhalten. Es wird auf diese Weise das Weibliche als Hüterin des Gefühls- und Wechselstroms (wieder)erkannt. Elektra ist das göttliche Mädchen, universales Mitgefühl. 

Die Statue wurde 2007 geschaffen und nach dem ägyptischen Mundöffnungsritual animiert. 2009 wurde eine Performance-Prozession zur Elektra unternommen (Video: Tal Adler), deren Abschluss die Verbringung der Statue nach Wien zum Zwecke ihrer Vergoldung war. Gold besitzt den höchsten Anteil an Elektronen. Die goldene Elektra ist das Stadium ihrer Apotheose.
 

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Elektra, Lower Belvedere Vienna,                                                Mouth Opening Ritual ELECTRA,
Exhibition GOLD curated by Thomas Zaunschirm                                     GALLERY53 Vienna 2011