Elisabeth von Samsonow
Texte zu »Erdherz« und »MAMA«
Ausstellung Amann, Jordanien, 2008
ERDHERZ | THE HEART OF THE MATTER
Linde bemalt, 2007
Sockel Linde, Lackspray über Teppichklopfer gesprayt, 2008
Die Skulptur bezieht sich auf die Form der Lebendigkeit der Erde. Ein Herz schickt Fäden aus, die sich ineinander verwirbeln. Der Rhythmus des Lebens, der er auch in den Diagrammen von Wattson und Cricks, die in der Doppelhelix die DNA dargestellt haben, zu sehen ist, bildet die Anregung für diese Arbeit. Das Herz soll unterstreichen, dass die Erde ein fühlendes Lebwesen ist. Das Holz, aus dem ich die Skulptur gemacht habe, besteht selbst aus Fasern, die ihrerseits nicht anderes sind als verfestigte Wege, in denen das Leben zur Form gefunden hat.
Der Sockel ist daher relativ unbearbeitet geblieben, es treten die Bewegungen des Wuchses hervor, vor allem in einer auffälligen Spaltung in zwei Wachstumsbereiche. Damit wird wieder die Zweiheit der Fäden thematisiert, die in der Doppelhelix umeinander gewunden sind. Das mit Lack gesprayte Muster stammt von Teppichklopfern, die einen besonders schönen Knoten aufweisen. Der Knoten steht für die sich verdichtende Faserigkeit, die dann zur Verkörperung führt. Mit Hilfe der Wachstumstechnologie des Baumes habe ich versucht, ein plastisches allgemeines Diagramm der Wachstumstechnologie des Erdsystems zu produzieren. Die Holzskulptur transformiert sich, das meine künstlerische These, im Rahmen der neuen Biowissenschaften zu einem avantgardistischen Medium.
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MAMA
Linde bemalt, 2001-2007
Textiler Schatten, bestickt, abgenommen nach einem Schatten projiziert mit Studiolicht
Joseph Campbell schreibt in seinem großen Werk „Die Masken Gottes“, dass möglicherweise eine Erinnerung, die man aus der frühesten Kindheit bewahrt, das Motiv für die gewaltige Vielfalt an Darstellungen des Göttlichen sei. Er zitiert den Biologen Tinbergen, der diese frühe Erinnerung als Reiz auslösendes Schema definierte. Mit meiner Arbeit versuche ich, die Vorstellung, die mit einem solchen Reiz auslösenden Schema in Verbindung steht, zur Gestalt zu verhelfen. Das wichtigste der Reiz auslösenden Schemata ist natürlich das der Mutter, daran ließ Tinbergen keinen Zweifel. Ich habe also eine solche „Mutter“ gemacht, zusammengesetzt aus reizenden Formen: aus Augen, die an eingepackte Bonbons erinnern, und Brüsten, die Nahrung verheißen. Diese Körperteile sind gemäß ihrer Wichtigkeit nach dem Prinzip der Bedeutungsperspektive ungleich stärker hervorgehoben als andere, die ebenso zur Mutter gehören wie beispielsweise ihr beeindruckendes Hinterteil. „MAMA“ ist also eine Skulptur, die die universale Mutter repräsentiert, die weder anthropomorph noch personal wahrgenommen wird. Ich gehe davon aus, dass eine solche Erinnerung alle Menschen, insofern sie Geborene sind, miteinander verbindet. Ferner ist die Idee des Reiz auslösenden Schemas eine attraktive ästhetische Aufgabe. Wäre es möglich, dass ein solches Schema auch einen künstlerischen Mehrwert birgt?
Der Schatten, den ich jeweils meinen Skulpturen nähe, dient ihrer Wahrnehmung als Körper. Die Verflachung der Skulptur zum Bild wird durch den textilen Schatten, der auf dem Boden richtig nach optischen Regeln ausgelegt werden muß, unterlaufen. Es wird nämlich der Schatten das Bildhafte, die Skulptur das Leibhafte vertreten. Es ist klar, dass insbesondere MAMA einen Schatten in dieser Funktion gaben soll.
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