Elisabeth v. Samsonow

Studio Elektra auf OKTO TV

Mit Elisabeth von Samsonow und Matija Serdar

Studio Elektra auf OKTO TVPremiere:
Freitag, 13. Mai 2011, 20 Uhr

Weitere Ausgaben monatlich jeweils eine Woche lang: 10. Juni, 8. Juli, 5. Aug., 2. Sept., 26. Sept. 2011, 24. Okt. 2011, 21. Nov. 2011, 19. Dez. 2011, 12. März 2012.

OKTO TV

 

Die Sendereihe setzt sehr direkt an zu einer Durchdringung aktueller Ereignisse. In Gegensatz zum Typus Schocker- und Horror-Nachrichten, die die Zuschauer mit Ver- und Zerstörungsenergie versorgen, setzt Studio Elektra auf den teilnehmenden Kommentar, auf eine Form des Orakels, die ein Verstehen des aktuellen Geschehens aus der philosophischen Perspektive (mindestens zweitausend Jahre Geschichte des Denkens = menschlicher Selbsterfindung) anpeilt.

Diese Form des Anti- oder Transjournalismus dient der Überschreitung der kurzen Zerfallszeiten von Nachrichtenwerten und unterstreicht den produktiven und erfinderischen Charakter der menschlichen Geschichte. An die Stelle katastrophistischer Unterhaltung tritt gewagte und provokante, in die Zukunft weisende Deutung, kühl gedacht und heiß empfunden. Die Philosophie, die im Spiel ist, tritt nicht als Referat der Philosophiegeschichte auf, sondern als lebendige Funktion, die in die Ritzen und Fugen versteinerter Strukturen eindringt.

Studio Elektra ist nach der Figur der Elektra benannt, die zugleich Patronin der Elektrizität und des technischen Gefühls ist, begnadete Hysterikerin aus dem Geschlecht der Atriden und Star im Wien der Jahrhundertwende. Man kann sich das Ganze also so denken: In Elektra, in der bisher durch die Unentrinnbarkeit der Geschichte zu Konvulsionen neigenden, klingen die Krämpfe ab und sie ergreift das Wort. Damit rettet sie nicht nur die bisher etwas zu leise gestellte weibliche Stimme, sondern auch die Ehre der Philosophie, die sich zu gerne in ihrer eigenen Geschichte verkriecht.

Sendetermine: Die Erstsendung jeder Ausgabe ist ab Studio Elektra #06 (26. Sept. 2011) montags, 21 Uhr; Wiederholungen dieser Sendung dann eine Woche lang täglich, jeweils um 2 Stunden vorverschoben.

Ausgaben: #11: WELLENLÄNGE/wavelength · #09: KINDHEIT/KINGDOM · #08: HYBRID Mensch/Tier · #07: glauben schenken · #06: Sprache & Wahrheit / Nach Babylon · #05: Spielzeug/gadget · #04: Teil/Ganzes · #03: Geld/Schuld · #02: Radioaktivität · #01: Plagiat

12. März 2012: #11 – WELLENLÄNGE / wavelength

Studio Elektra Nummer elf beschäftigt sich mit verschiedenen Klassen von Technik, mit Technikgeschichte aus der Warte der Philosophie: was bedeuten die jeweiligen Leit-Techniken, wie verstehen wir sie, was sind ihre Merkmale? Auch wenn alle Techniken koexistieren und mehr oder weniger aufeinander bezogen sind, so gibt es doch so etwas wie die Haupt-Zeiten der Technik mit ihren jeweiligen Haupt-Techniken, deren Unterscheidung eine Rolle spielt für das Verstehen von Technik überhaupt: das Zeitalter der Mechanik, das Zeitalter der Pyrotechnik und das Zeitalter der Wellentechnik.

Während, wie es scheint, die Mechanik von der direkten physischen Wirkung eines Körpers auf einen anderen ausgeht und alle möglichen Formen der Kraftübertragung findet, die dieser Regel noch bis zur höchsten Differenzierung folgen, gelingen der Pyrotechnik eine Reihe von unerhörten Dingen wie das Schmelzen, Legieren und Formen von Metallen, die mit Hilfe eines Verbrennungsmotors betriebenen Automobile oder schließlich die Rakete und die Bombe. Das post-explosive dritte solche Technik-Zeitalter spezialisiert sich nun auf die drahtlose Übertragung von Energie mittels der Wellen- oder Frequenztechnologie. Es wird zunächst festgestellt, welche Frequenz die Basis für die Verbreitung künstlicher Wellen bildet, und dann werden diese natürlichen physikalischen Bedingungen genutzt für die Tele-Technologien wie Radiophonie, Telephonie, Television, oder ein wave net für Computernetzwerke. Leben wir jetzt in einem Neo-Hermetismus, in welchem wir eher von Information umgeben sind als dass wir eine eigene anzubieten hätten? Was macht das mit uns?

19. Dezember 2011: #09 – KINDHEIT / KINGDOM

Die schwache und deshalb auch immer kitschige Kindheit, also das Kindische, ist Effekt eines Verrates, der begangen wird im Namen des Kapitals, genauso wie das alte und verzweifelte Kind einmal Produkt des Verrats an seinem Geschenk-Sein war. Heute ist es so weit, dass das Produkt »Mensch von Mensch« (oder »Geschenk«) zurücktritt hinter die Ware, die auf einfachste Weise zu kapitalisieren ist, indem es einen zu beziffernden Preis erhält. Solange ein Mensch nicht arbeitet, um sich selbst zu erhalten, verfällt er – dies allerdings im Falle des Kindes auf vertuschte Weise – derselben Gattung wie der Rest der Obsorgeempfänger, der Gestützten, der Almosenentgegennehmenden, der HartzIV-Population.

Was fehlt, ist eine ernsthafte neue Auseinandersetzung mit der Position des Kindes, mit dem Wert des Kindes, aus welchem sich notwendig der Wert des Menschen überhaupt herzuleiten hat – dem Lehrsatz folgend: so wie Deine Kindheit sich gestaltet hat, wird sich der Rest gestalten. Dieser Lehrsatz enthält eben die Erkenntnis, dass »das Kind« nicht einfach immer die anderen sind: jeder enthält so weit das Kind, das er war, dass man nicht sagen kann, er sei es nicht mehr. Es gilt also, dem für vermeintlich verloren gehaltenen Kind – wie einem verlorenen Paradies – zu seinem Recht zu verhelfen.

»Kind« kommt im Übrigen von einer indogermanischen Wortwurzel, aus welcher genus, akin, kinship und king stammen. Es bedeutet einfach das „Geboren-Seiende“ und in besonderer Hinsicht kommen dann solche gemeinschaftlichen Geboren-Seiende wie ein Stamm oder eine Gruppe ins Spiel, welche wiederum von einem vertreten werden dürfen, der dann diese Geborenheiten stellvertretend in sich fasst: the king. Was sich aus dieser Sinn-Lineage erkennen lässt, ist die große Bedeutung, die dem Geborenen sofort, schon in dem Augenblick, in welches es das Licht der Welt erblickt, zuerkannt wird. Man kann an die Weihnachtsszene denken, in welcher vor Augen geführt wird, dass das Neugeborene anbetungswürdig ist, weil es im besonderen Vollbesitz seiner Kräfte, Eigenschaften, Ausgezeichnetheiten aus der Mutter hervorkommt. Die Bibel kennt mehrere solche Wundergeburten, unter anderem die des Henoch, der aus seiner Mutter Schoß sprang und unmittelbar zu dozieren anhub.

Ein spätes Echo auf diese Idee des enfant prodige ist in Hugo von Hofmannsthals Drama »Der Turm« zu finden, in welchem nach einer tragischen Kollision zwischen Vater und Sohn der Thronfolger schließlich durch den Auftritt eines Kindkönigs ersetzt und erlöst wird. In diesen Geschichten ist die Ungleichzeitigkeit von Seele und Leib zu vernehmen, der Umstand, dass der kleine Leib kein Hinweis auf eine »kleine Seele« ist. Man hat einmal angenommen, dass das kleine Kind bereits das ist, was es sein wird, eine Ahnung von der Größe und Würde einer Seele gehabt. Derlei geht heute in Spekulationen über die Erbmasse und die Richtigkeit der Verkettungen der DNA-Paare auf.

Die Philosophie oder Anthropologie ist herausgefordert, nicht als erstes beim Werkzeuggebrauch, bei der Sprache oder bei der Disziplinierung des Körpers und des Geistes anzusetzen, sondern ganz einfach beim Kind, das eben keines ist. Die Einholung, die Rechtfertigung des Kindes wäre dann die Voraussetzung für eine mögliche und höchst fällige Rehabilitierung des Kindes als Erwachsener. Es würde damit auch – in einem zweiten Schritt – gelingen, die seltsamen Tendenzen einer Gegenwart, die massenhaft dem Gebrauch von Spielzeug in Gestalt von Zeug, das nicht mehr Werkzeug ist, huldigt, ebenso einzufangen und zu verstehen. Das heißt, dass auch die Erwachsenen dringend dieses Einholens des Kindlichen bedürfen, welches ja niemals in ihnen gelöscht ist, sondern ganz im Gegenteil – wie der andere große Anwalt des kompetenten Kindes, Sigmund Freud, unterstrichen hatte – sogar weiter im Untergrund die »Geschäfte« lenkt, und zwar dies umso radikaler, je weniger es in Erscheinung tritt.

21. November 2011: #08 – HYBRID Mensch/Tier

Seit Darwin ist die Vorstellung, dass Menschen etwas ganz anderes seien als Tiere, wohl endgültig in sich zusammengebrochen. Nun wird enorm um eine neue Position diesen gewissen Tieres, dessen Gattung uns zuzurechnen wir uns glücklich schätzen dürfen, gerungen. Dabei ist die Nachwirkung jenes Privilegs, welches den Menschen ursprünglich im Zuge der Schöpfungserzählungen zugesprochen worden ist, groß. Dieses ehemalige Privileg hatte sich aber nicht nur als nutzbringend erwiesen, weshalb eine neue Form der Abhebung, eine neue Form der (Selbst-)Bestimmung von Menschen gegenüber dem Tier (aber auch gegenüber Stein, Pflanze, Stern u.s.w.) zu suchen ist.

Im Unterschied zu den ausschließenden Abgrenzungsverfahren, die das Mensch-Tier-Verhältnis geprägt haben, kommen nun einschließende, synthetisierende Bestimmungsverfahren ins Spiel. Am Ende könnte sich herausstellen, dass Menschen wirkliche Super-Hybriden darstellen, die vorschlagsweise in einer Art vertikaler Inkarnation (Schicht-Inkarnation, Inkarnation der multiplen Konsistenz-Ebenen) als Integral aller Spezies vorkommen.

24. Oktober 2011: #07 – GLAUBEN SCHENKEN

Geht man von der Theorie der Kulturentstehung Giambattista Vicos oder Herders aus, dann müsste man der Einbildungskraft die absolut vorrangige Erkenntnisleistung zugestehen. »Credunt quod fingunt« heißt es bei Vico, »sie glauben das, was sie sich vorstellen«. Es geht in diesem siebenten STUDIO ELEKTRA darum, die Tragweite dessen, was »Glaube« ist, in vollem Umfang zu zeichnen, um die zeitgenössischen Diskussionen aus ihrer äußersten Verengung herauszuführen.

Man denkt nämlich, wenn man von »Glauben« spricht, sofort an die Religion und verliert damit aus dem Blick, dass der größte Teil urteilender Akte immer Glaubensakte sind, was Platon sehr wohl gesehen hat. Es gibt also keinen Grund, den Glauben zu diskreditieren, ganz im Gegenteil. Es steht die Aufgabe an, zu erkennen, dass der Überschuss an Imagination immer verschenkt zu werden hat bzw. durch geeignete Werbemaßnahmen eingefangen wird. Menschen sind offenbar die Tiere, die immer Glauben zu verschenken haben und äußerst gerne verschenken. Die sogenannte moderne »Bewusstseinsindustrie« (Enzensberger) läuft nicht von ungefähr parallel zu einer Wiedererstarkung der Religion, da ganz offenkundig diese wie auch jene Einrichtungen zur Aufnahme von Glaubensgeschenken sind.

26. September 2011: #06 – Sprache & Wahrheit / Nach Babylon

Im September beginnt wieder die Schule, in welche sich die ABC-Schützen mit ihren Schultüten zum ersten Schultag begeben haben. Irgendwie erscheint die Schultüte wie das Gegenbild des Doktorhutes, der schon so platt geklopft aussieht. Die Schultüte ist wie ein Füllhorn, dem die guten Dinge entweichen. Jedenfalls folgt jetzt das »verschärfte« Sprachstadium, nämlich seine Verschriftlichung, der Schrifterwerb, die Alphabetisierung, die den Vorrang der Sprache vor der Welt besiegelt. Aus diesem Grund erscheint geboten, an ein zentrales Sprachproblem aus der Warte der Philosophie noch einmal zu erinnern:

Für die Philosophie war die Übereinstimmung von Sprache und Wirklichkeit eine ausgemachte Sache, bis sich am Ende des Mittelalters ernsthafte Zweifel an dieser Beziehung einstellten. Die Renaissance beklagt in der Folge der spätmittelalterlichen Skepsis ohne Umschweife den Verlust der Ursprache und damit das Entschwinden der Wahrheit, weshalb vorschlagsweise in den (nicht entzifferten) Hieroglyphen oder in chinesischen Schriftzeichen nach einer wahren Botschaft gefahndet wurde.

Schuld an der Amnesie, also am Gedächtnisverlust, an der Desorientierung, am Abhandenkommen der Wahrheit war nach allgemeiner Meinung die babylonische Katastrophe, die Sprachverwirrung als Strafe für die Hybris der Turmbauer. Während also die Anhänger der babylonischen Trauma-Lehre weiter von einer einzigen Ursprache phantasieren, stellt sich allmählich – allerdings sehr spät, eigentlich erst im zwanzigsten Jahrhundert - aus poetischer Warte ein Begriff vom großen Vorteil der Übersetzbarkeit als auch der Unübersetzbarkeit der vielen Sprachen ein. Anstatt sich auf ein Gefangensein in einer jeweiligen einzigen Sprache beschränken zu müssen, kann sich nämlich der/die mehrere Idiome beherrschende SprecherIn zwischen den Sprachen bewegen und genau deshalb erst in den Blick bekommen, wie eigentlich die »Welt« durch die Sprache erzeugt wird. Erst dann kann die Sprache erkannt werden in dem, was sie immer ist, auch in den konkretesten Sprachhandlungen, nämlich Poesie, vorschlagsweise Deutung einer rätselhaften Welt.

2. September 2011: #05 – Spielzeug / gadget.
Das Wesen unseres Zeuges

Studio Elektra 05 ist eine Sommersendung, eigentlich sogar eine lustige Kindersendung, sofern sie sich mit dem Status unserer Gerätschaften beschäftigt und dann auch zum Schluss kommt, dass es sich wohl größtenteils um Spielzeuge handelt.

Aristoteles war der Ansicht, dass Menschen genauso wie die anderen Tiere ihre organoi oder Werkzeuge dazu einsetzen müssten, ihr Ziel zu erreichen, mehr nicht. Teilweise wurden diese organoi von ihm als bereits dem Körper integriert betrachtet (wie zum Beispiel der Schnabel des Pelikans), teilweise sollten sie erst zur Zweckerfüllung hergestellt werden, wie beispielsweise das Nest. Auch hier gibt es eine Idee von der ewigen Verbesserung der Mittel, mit denen das Ziel zu erreichen ist, allerdings unterscheiden sich menschliche und tierische »Evolution« nicht grundsätzlich voneinander.

In der Renaissance zieht zu diesem Thema eine andere Ansicht auf, die bis heute gilt: Menschen sind die Tiere, die nicht zu Ende bestimmt worden sind und die sich daher selbst »erfinden«. Zu diesem Zwecke machen sie sich die Gerätschaften, die deshalb eben nicht nur »Natur« sind. »Nicht-zu-Ende-definiert-sein« heisst dann unter den Vorzeichen des Biologismus des 19. Jahrhunderts auch so viel, dass Menschen eine Art von Riesen-Föten darstellen (»Neotenie«), dass sie in jeder Hinsicht eben unfähig seien, sich auszuwachsen, in Bestimmungen hineinzuwachsen, dass sie aus diesem Grunde auch das Jugendliche, das Kindliche so sehr lieben: das schöne, weiche Gesichtchen ohne Schnauze und gewaltigen vorstehenden Kinnladen, dafür mit hoher runder Stirn, der Fötenstirn eben.

Wenn es nun aber so ist, dass das forcierte Zeug-Machen und Zeug-Haben, der Handy-Besitz und die Computer-Hybridisierung damit zu tun hat, dass Menschen unfertige Föten oder jedenfalls »Frühchen« sind, dann ist der Schluss zwingend, dass diese Gerätschaften nichts anderes ein können als Spielzeuge, die dann zwischen diesen Frühchen und der von ihnen erfundenen Welt vermitteln. q.e.d.

5. August 2011: #04 – Teil / Ganzes

In Studio Elektra 04 beschäftigt sich die Philosophin und Künstlerin Elisabeth von Samsonow mit der Frage, wie denn heute das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft zu denken sei.

Ausgehend von der Idee, dass in der Demokratie die Macht vom Volk, vom demos, ausgeht, untersucht sie die Position, die dem Einzelnen in diesem demos wirklich zukommt. Sie stellt fest, dass die älteren vertikalen Modelle von Herrschaft nach wie vor wirksam sind, die diesem Einzelnen bestenfalls den Status des zu behütenden Schafes oder des durch die höhere Vernunft zu befehligenden Körpers eingeräumt haben. Gesellschaft oder Volk entsteht nach dieser Idee dadurch, dass die Vielen durch äußeren Druck oder Zwang zusammengehalten werden.

Ist das nun wirklich Demokratie nach westlichem Wunschbild? Müsste man nicht endlich, in Überholung der älteren Bilder, dazu übergehen, eine neue Lehre der Souveränität zu entwickeln, die sowohl einen anderen Zugang zum Teil/Ganzes-Verhältnis einschließt als auch eine elementare Koppelung von Macht und Verantwortung in jenem Souverän, den der Einzelne als Aequipotenz der Gemeinschaft darstellt?

8. Juli 2011: #03 – Geld / Schuld – 123 Mrd. Euro

Studio Elektra 03 ist dem Thema Geld gewidmet, über das man eigentlich nicht spricht, das aber heute in aller Munde ist. Elisabeth von Samsonow stellt die Frage, wie echt denn unser Geld wirklich ist, wie es sich bewährt, wenn es sich wiederum nur auf andere Währungen bezieht, also möglicherweise ein Phantasieprodukt der Zockerzentrale namens Börse ist.

Im Gespinst der gobalen Zeichenströme, die »Geld« darstellen sollen, kehrt sich das Verhältnis zwischen dem Wert produzierenden Menschen und dem Wertzeichen Geld zusehend um: das Leben ist nicht mehr geschenkt, sondern muss verdient werden, was gleichzeitig unmöglich ist, weil die ewige Individualschuld sich allmählich zur stattlichen Staatsschuld mausert.

Sieht es denn bei genauem Hinsehen nicht so aus, als wäre die aktuelle Seinsweise des Menschen definiert durch Sklaverei und Prostitution, insofern die Schuld abzuarbeiten ist, indem man sich zum Zwecke der Selbsterhaltung vermietet? Als wäre Leben nur so viel wert, wie es bezahlte Arbeitszeit oder Kaufkraft ist? Lässt sich endlich diese Kapitalisierung des Lebens beenden, das in Falschgeld umgemünzt, in Zeichen umgearbeitet wird, die nichts mehr bezeichnen?

10. Juni 2011: #02 – Radioaktivität

Studio Elektra 02, die philosophische Tiefenbohrung in Verhältnisse der Gegenwart, ist dem Nachdenken über unser Verhältnis zur Erde gewidmet. Dieses allerdings nicht als beschauliches, sondern als brisantes Thema verstanden, indem auseinandergesetzt wird, was für die Erde im Kosmos zu sein bedeutet und was es folglich für uns heißt, sich auf der Erde zu befinden.

Sind wir denn nicht vielmehr in der Erde, im Erdsystem? Gesetzt, dieses sei ein lebendiges Wesen, was folgt daraus für unsere Energiebilanz?

Elisabeth von Samsonow setzt auseinander, was die Verschränkung der Körper und die Verflechtung der Kräfte bedeuten, und zwar unter dem Horizont einer »Strahlungslogik« oder Radioaktivität, die, noch bevor sie als das schlechthin Schädliche erkannt wird, als eine allgemeine energetische Seinsweise gedeutet werden muss.

Alles strahlt, alles bemüht sich um Vermehrung oder Erhöhung der Ausstrahlung. Aber was folgt daraus im Zeitalter der Energiewende, wie sieht der Strahlungsimperativ der Zukunft aus?

13. Mai 2011: #01 – Das Plagiat

Die erste Sendung von Studio Elektra widmet sich dem allgegenwärtigen jedoch zur Zeit besonders aufmerksam beobachteten Phänomen des Plagiats. Wir möchten Sie als Zuschauer dazu bewegen, einige nicht neue aber untergegangene Einblicke und Ansichten für das Thema zu gewinnen, und versuchen den Kontext der Zeit als sehr einschlägigen Faktor mitzunehmen.

In drei Phasen kommen wir den Gänsefüßchen näher und werden in knappen 13 Minuten auf das Plagiat ein Licht werfen, welches den anderen medialen Formaten vermutlich zu grell wäre.

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