Elisabeth v. Samsonow
Ausstellung »Xylosophie«
In memoriam Gerburg Treusch-Dieter
Ausstellung 28.Mai bis 14.Juni 2009
Arbeiten auf Papier und Plastiken
Kunsthandel Cajetan Gril, Seilerstätte 10, 1010 Wien
Dienstag bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag 11 bis 18 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 28. Mai 2009, 19 Uhr
Performance von Gerda Schorsch
Elisabeth von Samsonow beschäftigt sich in der Ausstellung mit Philosophie, sofern diese mit anwesenden und abwesenden Personen verbunden ist. Zentrale Figur ist die Soziologin Gerburg Treusch-Dieter, die am 19.11.2006 gestorben ist. Die Künstlerin hat einer Linde die Form eines Granatapfelbaums gegeben, in dessen Krone das Gesicht Gerburg Treusch-Dieters erscheint. Ihre dreijährige Arbeit an der Skulptur Gerburg Transplant (Transpflanze) versteht die Künstlerin als Trauerarbeit und Unsterblichkeitsoperation. Das Leben der abwesenden Denkerin wurde auf den Stamm eines etwa achtzig Jahre alten Baumes übertragen (In-Formation, Form-Gebung), dessen Holz wirkliches Dokument seines Stoffwechsels ist. Der abwesende Körper Gerburg Treusch-Dieters wurde durch den Holzkörper ersetzt, der zugleich älter (einer anderen Schicht der Geochronie enstammend) und dauerhafter ist. Der Stamm repräsentiert daher den Memorial-Körper einer Frau, deren Tod in ihm aufgehoben ist. Holz heißt auf griechisch xylos, was zugleich der Begriff für »Materie« ist. Mit xylos verwandt ist das Wort »Hülle« im Sinne von Verkörperung.
Die Installation Theoriehut und Unterweltsthron zeigt einen von der Decke hängenden farbigen Holzhut, darunter einen (Kopf-)Hocker, ebenfalls aus mit Holzmarkierer besprayter Linde. Die Installation ist dem Thema der Ein- und Ausbildung gewidmet. Eine Person, die sich auf den Stuhl setzt, kann den Hut aufsetzen, aus dem eine Vorlesung von Gerburg Treusch-Dieter erschallt. Während die Person der Hut trägt, ist ihr Kopf mit dem Denken Gerburg Treusch-Dieters verbunden. Das ist der Moment der »Einbildung«. Das Denken ergreift Besitz vom Schädel des Hutträgers, wobei die aus dem Hut tönende Stimmkonserve der abwesenden Denkerin eine Gehirnerweiterung realisiert. Nimmt die Person den Theoriehut wieder ab, ist der Moment der »Ausbildung« gekommen. Es wird deutlich, dass Theorien »aufgesetzt« werden können wie Hüte, die von Lehrpersonen auf das Haupt heruntergesenkt werden – aber auch ebenso abgesetzt. Gegenüber invasiven Theorieangeboten hat der Hut den Vorteil, dass er, auch wenn er schwer ist, nur lose mit dem Gehirn verbunden ist, so dass es keine oder nur vorübergehende Verschmelzungen zwischen Theorie und Kopf gibt. Ferner handelt es sich bei diesem Hut um keinen alten Hut, sondern um einen, der das Aussehen eines Alien hat, der ganz »von Außen« kommt.
Die Skulptur Mnemosyne zeigt paarig angeordnete Spiralen, zu einem Körper aufgetürmt, der von einem antikisch wirkenden Kopf gekrönt wird. Dieser Kopf trägt neben riesigen spitzen Tierohren drei kleine Hörner und drei Zöpfe, die für eine transklassische dreiwertige Logik stehen, in welcher der »Satz vom ausgeschlossenen Dritten« überholt ist. Die Skulptur aus geschliffener Linde steht auf einem Spiegel, der sie in einem virtuellen Raum verdoppelt. Der Spiegel bildet die Öffnung in einen anderen Raum oder ins Jenseits, die verdoppelte Skulptur wird zur endless column (Brancusi).
Die Arbeiten auf Papier nehmen noch einmal Bezug zum Verhältnis zwischen Körper und Denken, wobei sowohl Denken wie Körper auf ihre xylosophischen Entstehungsbedingungen im Erdsystem untersucht werden.
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