Elisabeth v. Samsonow
Institut für Elektra-Technik
Beitrag in der Ausstellung »Tausendschön und Teufelsgetier. Kunst in heimischen Gärten«
Ausstellung von 19. Juni bis 18. Juli 2010
Kunstverein östliches Sauerland
Brilon, Deutschland
Eröffnung:
Samstag, 19. Juni 2010, 15 Uhr
Institut für Elektra-Technik
5 bedruckte Fahnen auf Wäscheleinen
Die Fahnen zeigen elektrotechnische Diagramme, die darauf verweisen sollen, dass die Luft, in der diese Wäsche flattert, keine ordinäre Luft ist, sondern der Raum, in dem die Regeln und Gesetze des Elektromagnetismus wirksam sind. Der Elektromagnetismus ist umfassende Systemeigenschaft der Erde selbst, daher ist er selbstverständlich auch wesentliche Eigenschaft des »öffentlichen Raumes«, welche in dieser Installation dargestellt wird. Die Installation ist somit eine Explikation der Raumeigenschaft selbst und damit im eigentlichen Sinne Raumkunst, wenn nicht sogar Raumwissenschaft – daher »Institut für Elektra-Technik« – und wird so »Kunst im Weltraum« statt bloß »Kunst im öffentlichen Raum«.
Elektrizität leitet ihren Namen von elektron her, dem griechischen Wort für den Bernstein, aus dem der helle Funke entspringt. Im Begriff steckt die indogermanische Wurzel *el oder *hel, was auch in unserem Wort »hell« oder »Helligkeit« vorkommt. Die tiefe Doppeldeutigkeit und begriffliche Ambivalenz von »hell« wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass aus demselben Wort, aus derselben Silbe das Helle und die Hölle kommen, engl. hell. Das »Institut für Elektra-Technik« trägt insofern vollständig jener Ambivalenz Rechnung, die im Projekttitel der Ausstellung »Tausendschön und Teufelsgetier« vorgegeben ist.
Nach dem Hellen benannt sind zwei Frauengestalten, die in Hinblick auf die weibliche Codierung von Elektrizität interessant sind: einmal die schöne Helena und zum zweiten Elektra, die begabte Hysterikerin, die selbst Spannungsbogen, wenn nicht Überspannungsbogen ist. Mein »Institut für Elektra-Technik« bezieht sich nun auf Elektra, weil deren linguistische und symbolische Zugehörigkeit zum Elektrischen ganz unmittelbar einsichtig und nachvollziehbar ist. Elektra steht selbst für das subjektlose »Gefühl der Natur«, als welches Schelling Elektrizität definiert hatte. Der politische Entzug an Subjektivität bei gleichzeitiger Überhäufung mit »Gefühl« des Weiblichen könnte also auf dem Hintergrund des Kurzschlusses zwischen Elektra und Elektrizität, den das »Institut für Elektra-Technik« vorführt, einen neuen Sinn erhalten. Es wird auf diese Weise das Weibliche als Hüterin des Gefühls- und Wechselstroms (wieder) erkannt.
Diese Thematik habe ich in folgenden Werken näher ausgeführt:
- Elisabeth von Samsonow: Anti Elektra. Totemismus und Schizogamie, Zürich-Berlin 2007.
- Elisabeth von Samsonow: »From Helena to hell«, in: Konrad Paul Liessmann (Hrsg.): Vom Zauber des Schönen, Wien 2010.
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